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Ein losgerissener Drachen
Zu einem weitgereisten Volk gehöre ich, seht nur, seht: Wurde vom Wind der Heimatlosigkeit erfaßt So erlebte ich alle Liebe als verzehrendes Feuer Jedes Lied in den kurdischen Bergen zerreißt mir das Herz Die Liebe kenne ich inzwischen, seht nur, seht: Zog mit jedem Vogelschwarm am Himmel So geriet mein Leben aus den Fugen dem Ruf der Liebe folgend In jedem Herzen: eine Antwort auf diesen Schrei Vor langer Zeit vergrub ich den Tod im Herzen, seht nur, seht: Des Nachts stürzt die Angst den Mond in meine Fluten So küßte das Mondlicht die Wunde des Bergsterns Ein Volk vergiftet sind seine Lieder durch Aloe Brennen will auch ich in der verzehrenden Flamme, seht nur, seht: Kaum siebzehn führten sie mich schon zum Galgen So sickerte nachts von den Bergen Blut in meine Träume Feuer schmilzt Eis, Schneeblumen öffnen sich der Sonne Mein Leben ein Dolch Schutz langer Reise, seht nur, seht: Zyanid im Mund ein Liebesbeweis dient gleichem Zweck Blumenlachen an meinem Hals auf dem Weg in den Tod So ist mein Leben jetzt - ein losgerissener Drachen So ist mein Leben - ein losgerissener Drachen jetzt
Aus dem Türkischen von Wolfgang Riemann Aus dem Band: Aşkkıran. istanbul , 2. Aufl. 2002. S. 52.
ZU MEINER HÖLLE MIT EUCH
Mein Herz war mein einziges Kind
wir hatten Unrecht getan, mein Lieber
Tut mir leid
Nein, mein Herzlein, ab jetzt existiert keine Liebe mehr
Einige von euch werden zu Asche und sich auflösen
und sich wie der Aufschrei des Windes und
des von ihnen verbrannten Waldes vereinsamen
wie in meinen Bergen Pepuğê usarê [1]
Ihr werdet Fische im Meer, das ihr verschmutzt habt
Ihr solltet brennen und so leben, wenn ihr es könnt!
Und dann, zu meiner Hölle mit euch!
Ihr weißt, was in eurem Liebesparadies gelebt wurde
Ihr lacht, als hättet ihr keine Schuld daran
Ihr habt den Kopf jeden meines Vogels gebrochen
und Stück für Stück verschlugen
Und an dem Galgenbaum hängt ihr unsere Liebe
also uns nacheinander im Alter von vierzig Jahren
Und trotz Soysal[2], der seinen Henker nicht gehaßt hat
zur meiner Hölle mit euch
Wenn ich sagte, ich sterbe
indem ich mich zu meinem stummen Schrei flüchte
hätte ich den Tod gewußt
Also, deswegen konnte ich auch sterben
Meine Kindheit stammt aus der Ruine
meines verbrannten Waldes und verwüsteten Dorfes
Der Berg vernahm meine Arbeit
die Saz[3] meinen Schrei
Ich wurde als Lied wahrgenommen, O Gott, meine Trauer war ein Irrtum
als meine 40 Jahre, also dieser heilige Abgrund in mein Leben eintrat
Meine Gejammer, zu meiner Hölle mit euch
Wir sind Schurken derselben Bande und verliebt in die gleiche Ballerina
Verfolger der gleichen Spur in der Geschichte der Sinnestäuschung
wie manche müde Schiffsmannschaft, um Wind für die Liebe zu tragen
wie manche, die den Ballast des Klassenkampfes vergessen haben
Diese Prahlerei voll mit Lügen
Diese Angestifteten, Erniedrigten
und dann sich selbst Gefangengenommen
Ja, diese meine ich
die Gewissenshymnen entlang der Liebe singen
Aber wirklich, zu meiner Hölle mit euch
Jeder ist seine eigene Schande und Hölle
wie eine Berufswaschfrau
deren Kind sich nicht zusammenhält und das Bett naß macht
wie ein wasserarmes Krokodil, denn ein schlechter Tischler sticht seine Frau
wie die blutigen Hände Moses, der ein alter Mann ist
Meine Hände, zu meiner Hölle mit euch
Ich hatte geweint, weine noch und kann in eurem Augen auch weinen
Ich kann für jeden von euch mein Gehirn in Stücke reißen
Meine Lieben, zu eurer Hölle mit mir
Übersetzung: Seydo CAN
Aşk-Kıran(zu Deutsch Liebesbrecher) erschienen November 1997, Seite 14
[1] auf Kurdisch(Zazaki): Eule
[1] Soysal Ekinci: Kurdischer Dichter, der sich das Leben 1990 in Istanbul genommen hat
[1] Langhalslaute, Musikinstrument
Dendar Komm, ich öffne dir mein Herz Komm, ich erzähle dir mein Leid Lange Zeit stöhnte mein Herz im Einsamen Die Säule meines Hauses zerifel in deiner Abwesenheit Dir bin ich zur Dank verpflichtet Dir bin ich verbunden Xizir's gast bist du auf seinem Pferd Durchquerst meine Träume Eine Rose bist du Der Duft einer Frühlingsrose Schwebend in meinen Gedanken Komm, ich öffne dir die Tore meines Gartens Komm, ich erzähle dir meinen Kummer Du bist die Liebe der ewigen Zeit Das helle Licht dieser finsteren Erde bist du Dein Schuldner bin ich, den Verbundener Mehmet Cetin
Mein liebster Vater Mein liebster Vater, leiste dem Tode Widerstand, wie ein Berg Leiste Widerstand, Für deine Kurdische Seele FÜr deine besitzerlose Rose, Dersim Für deine Weiden, deine Äcker, für deine Armut Vergiss aber niemals wieder Deinen Berg Munzur und deinen Xizir Keine Klagen höre ich für dein unglückliches Schicksal Mein liebster Vater, leiste dem Tode Widerstand, wie ein Berg Verteidige Wie ein frischer Setzling, ein steiler Berg Deine Vögelchen, deinen reinen Fluss, den Grab deines Großvaters Ergebe dich nicht, und klage nicht über dein unglückliches Schicksal
Dendare Kırmanciye
Ja, der Schuldige (Schuldner) sagt (Vor der) Todestür Deswegen, sagt er, werde ich (diesen Weg) nicht gehen Wenn ich alleine bleibe, wird mein Inneres/Herz mit der Zeit einsam, ja… Mit der Zeit wird mein Inneres/Herz ächzen Deswegen habe ich keine Erwartungen/Bitte vom Tod Mein Schatten ist kurz wie ein ganzer Tag (lang ist) Ich habe mein (eigenes) Gift getrunken Ich habe meinen (eigenen) Traum gesehen, ja… Wer kam zurück von diesem Ort? Deswegen sag ich, ich bin hier, hier Wenn diese Versammlung zu Stande kommt Wird die Flora und Fauna (Natur und die Tiere) deswegen sagen, Das in alter Zeit niemand durstig war Niemand hungrig war im Kurdischen Leben Gesenkte Häupter gab es nicht damals Daher meine Erwartung, daher meine Schuld Deswegen sage ich, es kommt vom Herzen (vom Innersten), ja… Ich bin das meinen Ahnen und Vorfahren (Vätern und Großvätern) schuldig So ist die Stimme des Liedes, ich bin der Dichter Deswegen steht unser Haupt über unseren Füßen In so einer Nach gibt der Mond Licht (scheint der Mond) An so einem Morgen scheint die Sonne in mein Auge Das ist meine Verpflichtung, die ich gegenüber den Kurden habe Ich muss meine Schuld vor der Todestür begleichen (meint: jeder muss mal sterben) Mein Schatten ist kurz, doch weiter als dieser Ort Wenn’s reicht, sag ich, dass es vom Herzen kommt Ja, mein Inneres/Herz schmerzt Alleine quält (ächzt) die Zeit Ja, einige Zeit, einige… Deswegen bin ich von diesem Ort weit entfernt Deswegen schneit es auf den Stein So schneit es auf mich (eig. Bis zu meiner Brust) Freude/Segen/Schicksal über mein Herz Kommt so, diesen ganzen Weg entlang Kommt, seid willkommen (eig. Kommt, auf mein Auge und meinen Kopf) Die Schuld (Verpflichtung) vor der Todestür Ja, kommt, seid willkommen
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